Kinder im Islam: eine heilige Verantwortung, eine lebenslange Pflicht und ein Weg ins Paradies

Tahiru Nasuru··20 Min. Lesezeit
Kinder im Islam: eine heilige Verantwortung, eine lebenslange Pflicht und ein Weg ins Paradies

Einleitung: Kinder als Amanah von Allah

Kinder zu haben ist im Islam nicht bloß ein persönlicher Traum, eine kulturelle Erwartung oder eine natürliche Phase des Ehelebens. Es ist eine Amanah, ein heiliges anvertrautes Gut von Allah ﷻ. Ein Kind wird nicht einfach in einen Haushalt hineingeboren; es wird ihm anvertraut. Dieses Vertrauen umfasst den Körper des Kindes, sein Herz, seinen Verstand, seine Umgangsformen, seine Religion und seine ewige Ausrichtung.

Der Islam betrachtet Elternschaft mit großem Ernst. Sie ist erfüllt von Barmherzigkeit, Freude, Zärtlichkeit, Erschöpfung, Opferbereitschaft und Lohn. Doch sie bringt auch Verantwortung mit sich. Eltern sind nicht nur dafür zuständig, ihre Kinder zu ernähren, zu kleiden, zu beherbergen und zu bilden. Sie tragen auch die Verantwortung, sie zu Allah zu führen, sie die Wahrheit zu lehren, sie vor Verderbnis zu schützen und ihnen zu helfen, im Islam heranzuwachsen.

Allah ﷻ gebietet den Gläubigen:

„O ihr Gläubigen! Schützt euch selbst und eure Familien vor einem Feuer, dessen Brennstoff Menschen und Steine sind ...“
Qur’an 66:6 (Quran.com)

Dieser Vers sollte das Herz jedes Elternteils erschüttern. Er lehrt, dass die Familie nicht nur eine soziale Einheit ist; sie ist eine geistliche Verantwortung. Muslimische Eltern müssen sich fragen: Wird dieses Kind nur für weltlichen Erfolg erzogen oder für das Paradies?

Die islamische Sicht auf Elternschaft

Elternschaft beginnt im Islam mit der Absicht. Ein Muslim betrachtet Kinder nicht als Trophäen, Accessoires oder als Beweis gesellschaftlichen Erfolgs. Kinder sind Gaben Allahs, doch sie sind auch Prüfungen. Sie bringen Freude, offenbaren aber auch Geduld. Sie bringen Liebe, verlangen jedoch ebenso Opfer. Sie machen das Herz weich und legen zugleich Selbstsucht, Zorn, Unachtsamkeit und Schwäche offen.

Erfolgreich ist im Islam nicht einfach derjenige als Elternteil, dessen Kind reich, berühmt oder akademisch besonders erfolgreich wird. Wahrer Erfolg besteht darin, dass das Kind Allah kennt, Ihn allein anbetet, dem Gesandten Allahs ﷺ folgt, die Rechte anderer achtet, die Eltern ehrt und mit Taqwa lebt.

Das bedeutet nicht, dass weltliche Bildung vernachlässigt wird. Der Islam ermutigt zu nützlichem Wissen und zu Vortrefflichkeit. Doch muslimische Eltern verstehen, dass die Beziehung des Kindes zu Allah wichtiger ist als jedes Zeugnis, jede Laufbahn oder jeder gesellschaftliche Ruf.

Kinder als Segen und Prüfung

Kinder gehören zu den Zierden dieses weltlichen Lebens, doch sie sind auch eine Prüfung. Sie prüfen die Prioritäten der Eltern. Sie prüfen, ob die Eltern wirklich glauben, dass das Jenseits wichtiger ist als die Dunya. Sie prüfen, ob die Eltern bereit sind, Bequemlichkeit, Zeit, Vermögen und Ego um Allahs willen zu opfern.

Ein Kind kann zu einem Weg des Lohns werden, besonders wenn es in Rechtschaffenheit erzogen wird. Der Prophet ﷺ lehrte, dass die Taten eines Menschen mit seinem Tod enden, außer in drei Fällen: fortdauernde Wohltätigkeit, nützliches Wissen oder ein rechtschaffenes Kind, das für ihn Bittgebete spricht. Dies ist authentisch überliefert in Sahih Muslim 1631. (Abuamina Elias)

Das bedeutet, dass rechtschaffene Erziehung einem Menschen selbst nach dem Tod weiter nützen kann. Lange nachdem die Eltern ins Grab eingegangen sind, kann ein Kind seine Hände erheben und sagen: „O Allah, vergib meinen Eltern.“ Welcher Schatz wäre größer als das?

Sich schon vor der Ehe auf Kinder vorbereiten

Die Vorbereitung auf Kinder beginnt vor der Schwangerschaft. Tatsächlich beginnt sie schon vor der Ehe. Die Person, die man als Ehepartner wählt, kann der künftige Vater oder die künftige Mutter der eigenen Kinder werden. Das ist keine kleine Angelegenheit.

Ein Ehepartner ist nicht bloß ein Gefährte. Er oder sie wird Teil der ersten Welt des Kindes. Das Kind wird das Gebet dieser Person beobachten, ihre Sprache, ihre Umgangsformen, ihren Zorn, ihre Großzügigkeit, ihre Ehrlichkeit, ihre Schamhaftigkeit und ihre Beziehung zu Allah. Ein rechtschaffener Ehepartner kann helfen, ein Zuhause voller Sakinah und Taqwa aufzubauen. Ein achtloser Ehepartner kann die religiöse Erziehung erheblich erschweren.

Aus diesem Grund sollten Muslime Ehepartner nicht allein wegen Schönheit, Vermögen, gesellschaftlichem Status, Stamm, Nationalität oder beruflichem Erfolg wählen. Diese Dinge mögen ihren Platz haben, doch sie können den Din nicht ersetzen.

Einen rechtschaffenen Ehepartner wählen

Ein rechtschaffener Ehepartner ist eine der größten Vorbereitungen auf rechtschaffene Kinder. Ein solcher Ehepartner ist nicht vollkommen, aber er oder sie fürchtet Allah. Ein rechtschaffener Ehepartner versteht Rechenschaft. Ein rechtschaffener Ehepartner schätzt Halal, Gebet, Schamhaftigkeit, Ehrlichkeit und islamische Umgangsformen.

Kinder lernen aus dem, was sie jeden Tag sehen. Wenn sie Eltern sehen, die beten, Du'a machen, wahrhaftig sprechen, Haram meiden und nach Fehlern bereuen, wird der Islam für sie wirklich. Wenn sie den Islam nur in Vorträgen erwähnt sehen, im Alltag aber missachtet, lernen sie womöglich Widerspruch statt Überzeugung.

Ein muslimisches Zuhause darf nicht allein auf Äußerlichkeiten gebaut sein. Es muss auf Taqwa gegründet sein.

Ein Zuhause auf Taqwa aufbauen

Ein schönes Haus ist nicht zwangsläufig ein gesegnetes Zuhause. Ein Zuhause mag elegante Möbel, teure Dekorationen und modernen Komfort haben und dennoch geistlich öde sein. Ein anderes Zuhause mag bescheiden sein, aber erfüllt von Qur’an, Salah, Dhikr, Barmherzigkeit und Dankbarkeit.

Das zweite Zuhause ist überlegen.

Kinder müssen in einer Atmosphäre aufwachsen, in der Allah ganz natürlich gedacht wird. Sie sollten „Alhamdulillah“ in Aufrichtigkeit hören. Sie sollten sehen, wie ihre Eltern beten. Sie sollten Reue nach Fehlern miterleben. Sie sollten lernen, dass der Islam keine Vorführung für Außenstehende ist, sondern eine Lebensweise innerhalb des Hauses.

Die erste Madrasa eines Kindes ist das Zuhause. Die ersten Lehrer sind die Eltern. Der erste Lehrplan ist das tägliche Verhalten.

Nikah und der Schutz der Abstammung

Der Islam ehrt die Ehe und schützt die Abstammung durch den Nikah. Ein Kind hat das Recht, in Klarheit, Würde, Verantwortung und eine rechtmäßige Familienordnung hineingeboren zu werden. Nikah ist nicht bloß eine Feier. Er ist ein heiliger Bund mit rechtlichen, emotionalen, gesellschaftlichen und geistlichen Folgen.

Durch den Nikah wird Intimität erlaubt und kann mit der richtigen Absicht und innerhalb der Grenzen Allahs sogar zu einem Akt der Anbetung werden. Der Islam behandelt eheliche Intimität nicht als etwas Beschämendes. Vielmehr lehrt er, dass selbst private Augenblicke mit dem Gedenken Allahs verbunden sein sollten.

Allah vor der Intimität gedenken

Zu den wichtigen Umgangsformen der Ehe gehört das Du'a vor erlaubter ehelicher Intimität. Ibn Abbas رضي الله عنهما überlieferte, dass der Prophet ﷺ das Bittgebet lehrte:

„Bismillah, Allahumma jannibna-sh-shaytan, wa jannibi-sh-shaytana ma razaqtana.“

Das bedeutet, Allah darum zu bitten, den Schaitan vom Ehepaar fernzuhalten und von dem, womit Er sie versorgen mag. Die Überlieferung findet sich in Sahih al-Bukhari 6388. (Sunnah)

Diese Sunnah erinnert das Ehepaar daran, dass Kinder durch Allahs Bestimmung erschaffen werden und dass geistlicher Schutz beginnt, noch bevor das Kind überhaupt geformt ist. Viele Eltern bereiten Kleidung, Namen, Zimmer und Arzttermine vor, vernachlässigen jedoch die prophetische Rechtleitung, die mit dem Beginn des Familienlebens verbunden ist.

Ein muslimisches Ehepaar sollte diese Sunnah mit Demut und Ernsthaftigkeit wiederbeleben.

Schwangerschaft als Zeit der Anbetung und des Du’a

Eine Schwangerschaft ist nicht nur ein biologischer Vorgang. Sie ist auch eine Zeit der Besinnung, der Anbetung, der Geduld und des Du’a. Die Mutter trägt mit Allahs Erlaubnis ein Leben. Ihr Körper verändert sich, ihre Gefühle wandeln sich, und ihre Kraft kann auf die Probe gestellt werden. Das ist eine edle Mühsal.

Es ist gut, wenn die schwangere Mutter die allgemeine Sunnah der täglichen Adhkar, des Qur’an, des Du’a, des Salah und des Gedenkens an Allah entsprechend ihrer Möglichkeiten fortführt.

Die Mutter kann Allah um ein rechtschaffenes Kind bitten, um ein gesundes Herz, nützliches Wissen, guten Charakter, Schutz vor dem Schaitan und Standhaftigkeit im Islam. Ein stilles Du’a in einem Moment der Erschöpfung kann von unschätzbarem Wert sein.

Auch der Vater sollte Du’a machen, Unterstützung geben, nach halal Versorgung streben und sich auf seine Verantwortung vorbereiten.

Die Verantwortung des Vaters vor der Geburt

Die Rolle des Vaters beginnt nicht erst nach der Entbindung. Sie beginnt vor der Geburt. Er muss die Mutter unterstützen, das Zuhause schützen, aus halal Mitteln versorgen und sich darauf vorbereiten, mit Barmherzigkeit zu führen.

Ein Vater, der meint, seine einzige Pflicht bestehe in der finanziellen Versorgung, hat Vaterschaft missverstanden. Versorgung ist wichtig, aber Rechtleitung ebenso. Ein Kind braucht einen Vater, der geistlich präsent ist, emotional präsent ist und moralisch präsent ist.

Der Prophet ﷺ sagte, dass jeder Mensch ein Hüter ist und für diejenigen verantwortlich ist, die seiner Fürsorge unterstehen. Im selben Hadith erwähnte er ausdrücklich, dass ein Mann der Hüter seiner Familie ist und für sie verantwortlich ist, und dass eine Frau die Hüterin des Hauses ihres Mannes und seiner Kinder ist und für sie verantwortlich ist. Dies wird in Sahih al-Bukhari 7138 und Sahih Muslim 1829 überliefert. (Sunnah)

Dieser Hadith sollte beide Eltern wachsam machen. Elternschaft ist nicht passiv. Sie ist Hirtendienst.

Das Neugeborene mit Dankbarkeit willkommen heißen

Wenn ein Kind geboren wird, sollte die muslimische Familie mit Dankbarkeit gegenüber Allah reagieren. Ob das Kind ein Junge oder ein Mädchen ist, der Gläubige nimmt Allahs Bestimmung mit Zufriedenheit an. Eine Tochter ist keine Enttäuschung. Ein Sohn ist keine Garantie für Rechtschaffenheit. Beide sind Gaben, und beide sind Prüfungen.

Der Islam kam, um die Unwissenheit zu beseitigen, die Töchter geringschätzt. Die Geburt eines Mädchens sollte niemals als Fehler der Mutter oder als Anlass zur Traurigkeit behandelt werden. Allah gibt männliche und weibliche Kinder nach Seiner Weisheit.

Das Neugeborene sollte mit Dhikr, Du’a, Zärtlichkeit und Dankbarkeit empfangen werden — nicht mit Arroganz, Verschwendung oder kulturellem Konkurrenzdenken.

Tahneek: Eine Sunnah für das Neugeborene

Zu den Sunnah-Handlungen im Zusammenhang mit einem Neugeborenen gehört Tahneek. Dabei wird eine Dattel weich gemacht und eine kleine Menge davon am Gaumen des Neugeborenen verrieben. Sahih Muslim 2146b erwähnt die Empfehlung des Tahneek für das Neugeborene und nennt auch die Benennung des Kindes am Tag der Geburt. (Sunnah)

Tahneek verbindet die ersten Augenblicke im Leben eines Kindes mit prophetischer Rechtleitung. Es erinnert die Familie daran, dass die Sunnah in jeden Bereich des Lebens hineinreicht: Geburt, Namensgebung, Essen, Schlafen, Ehe, Anbetung und Erziehung.

Muslime sollten sich der Sunnah nicht schämen. Rechtleitung wird nicht an Mode, Trends oder moderner Zustimmung gemessen. Rechtleitung ist das, was Allah offenbart hat und was Sein Gesandter ﷺ gelehrt hat.

Dem Kind einen guten Namen geben

Ein Kind hat ein Recht auf einen guten Namen. Namen tragen Bedeutung, Identität und emotionales Gewicht. Ein guter Name kann ein Kind an die Dienerschaft gegenüber Allah, an prophetische Würde oder an rechtschaffenen Charakter erinnern.

Eltern sollten Namen mit verdorbenen Bedeutungen, hochmütigen Bedeutungen oder Verbindungen meiden, die islamischen Werten widersprechen. Der Name sollte nicht nur schön klingen. Er sollte etwas Gutes bedeuten.

Sahih Muslim 2146b enthält den Hinweis auf die Benennung des Kindes am Tag der Geburt und die Empfehlung von Namen wie Abdullah, Ibrahim und den Namen der Propheten. (Sunnah)

Ein muslimischer Name kann ein lebenslanger Hinweis auf Identität, Zugehörigkeit und Anbetung sein.

Aqeeqah: Dankbarkeit durch Opfergabe

Die Aqeeqah ist eine Sunnah-Handlung im Zusammenhang mit der Geburt eines Kindes. Sie ist ein Akt der Dankbarkeit gegenüber Allah und ein Mittel, Freude durch erlaubte Opfergabe und Großzügigkeit zu teilen.

Eine verlässliche Quelle zur Aqeeqah ist Sahih al-Bukhari 5472, wo der Prophet ﷺ die Darbringung der Aqeeqah für den neugeborenen Jungen erwähnte. (Sunnah) Sunan Abi Dawud 2838 erwähnt, dass die Opfergabe am siebten Tag erfolgt, der Kopf des Kindes rasiert und das Kind benannt wird. (Sunnah) Jami’ at-Tirmidhi 1513 überliefert den Bericht, dass für einen Jungen zwei Schafe und für ein Mädchen ein Schaf vorgesehen sind. (Sunnah)

Aqeeqah lehrt, dass muslimisches Feiern mit Dankbarkeit, Anbetung und Großzügigkeit verbunden sein sollte.

Die Fitrah jedes Kindes

Der Prophet ﷺ sagte, dass jedes Kind auf der Fitrah geboren wird, dann machen seine Eltern es zu einem Juden, Christen oder Magier. Dieser Hadith findet sich in Sahih al-Bukhari 1358. (Sunnah)

Dieser Hadith ist grundlegend für die islamische Erziehung. Ein Kind wird nicht geistlich leer geboren. Das Kind wird mit einer natürlichen Veranlagung geboren, die Allah erkennt. Doch Familie und Umfeld beeinflussen stark, wie diese Fitrah genährt, verschüttet, verzerrt oder bewahrt wird.

Eltern müssen das tief verinnerlichen. Sie sind keine neutralen Einflüsse. Ihre Entscheidungen prägen das Verständnis des Kindes von Wahrheit, Anbetung, Schamhaftigkeit, Moral und Identität.

Eltern als erste Schule des Glaubens

Bevor Kinder eine formale Schule betreten, haben sie ihre Eltern bereits studiert. Sie haben beobachtet, wie ihre Eltern sprechen, streiten, beten, ausgeben, vergeben, reagieren und bereuen.

Ein Vater, der lügt, lehrt das Lügen, selbst wenn er Vorträge über Ehrlichkeit hält. Eine Mutter, die lästert, lehrt das Lästern, selbst wenn sie vor schlechtem Benehmen warnt. Eltern, die den Salah ohne Sorge aufschieben, lehren, dass Salah zweitrangig ist, selbst wenn sie behaupten, der Islam sei wichtig.

Kinder bemerken Widersprüche. Ihre Herzen zeichnen sie auf.

Darum dürfen Eltern den Islam nicht nur anordnen. Sie müssen den Islam leben.

Die Bedeutung des Umfelds

Das Umfeld hat einen starken Einfluss. Ein Kind wird von Familie, Nachbarn, Schule, Freunden, Medien, Online-Inhalten, Verwandten und dem Leben der Gemeinschaft geprägt. Eltern können nicht alles kontrollieren, aber sie dürfen bei dem, was sie kontrollieren können, nicht nachlässig sein.

Ein Kind, das von rechtschaffenen Menschen umgeben ist, hört mit größerer Wahrscheinlichkeit nützliche Worte, erlebt gutes Benehmen und sieht den Islam in der Praxis. Ein Kind, das von Verderbnis umgeben ist, kann sich nach und nach an Sünde, Vulgarität, Hochmut, Schamlosigkeit und Achtlosigkeit gewöhnen.

Das islamische Prinzip ist nicht Paranoia. Es ist Fürsorge und Schutzverantwortung.

Die Wahl einer rechtschaffenen Nachbarschaft

Für muslimische Familien ist es klug, vor der Wahl eines Zuhauses auch das moralische und religiöse Umfeld zu berücksichtigen. Das sollte als praktischer islamischer Rat formuliert werden, nicht als direkter Hadith-Wortlaut, sofern keine authentische Überlieferung angeführt wird.

Ein schönes Haus in einem geistlich schädlichen Umfeld kann für die Familie gefährlich werden. Ein einfacheres Zuhause in der Nähe rechtschaffener Menschen, einer Moschee und guter Gesellschaft kann für den Din des Kindes besser sein.

Allah, erhaben ist Er, sagt:

„Und neigt euch nicht denen zu, die Unrecht tun, sonst wird euch das Feuer berühren ...“
Koran 11:113 (Koranisches Arabisches Korpus)

Dieser Vers erinnert Muslime daran, gegenüber Umfeldern vorsichtig zu sein, in denen Unrecht normalisiert wird und die Bindung des Herzens an Allah geschwächt wird.

Kinder vor schädlichen Einflüssen schützen

Kinder werden von dem geprägt, was sie immer wieder sehen und hören. Unterhaltung, soziale Medien, Spiele, Musik, Prominente, Gleichaltrige und Online-Persönlichkeiten transportieren oft bestimmte Werte. Sie lehren Kinder, was bewundert werden soll, worüber man lacht, wonach man verlangen soll und was man nachahmen soll.

Eltern sollten bei Medien und Unterhaltung vorsichtig sein, die Ungehorsam, Schamlosigkeit, Hochmut, den Spott über die Religion oder die Bewunderung sündhafter Lebensweisen normalisieren.

Vorbilder und die Formung der Identität

Kinder ahmen nach, was sie bewundern. Wenn ihre Helden Menschen sind, die Sünde, Hochmut, Begierde, Gier und Auflehnung verherrlichen, kann das Kind islamische Zurückhaltung allmählich als etwas Fremdes empfinden. Wenn ihre Helden Propheten, Gefährten, Gelehrte, Gottesdiener, großzügige Menschen und Menschen des Mutes sind, füllt sich ihre Vorstellungskraft mit Edelmut.

Eltern sollten ihre Kinder aktiv mit den Geschichten der Propheten, der Sira des Propheten ﷺ, der Gefährten und rechtschaffener Muslime vertraut machen. Ein Kind braucht Beispiele von Größe, die im Iman verwurzelt sind, nicht in Eitelkeit.

Muslimische Eltern müssen die Helden ihres Kindes bewusst auswählen.

Gerechtigkeit zwischen Kindern

Der Islam gebietet Gerechtigkeit zwischen Kindern. Eltern müssen darauf achten, nicht durch Bevorzugung bei Geschenken, Aufmerksamkeit, Zuneigung, Möglichkeiten oder religiöser Fürsorge Verbitterung zu erzeugen.

Der Prophet ﷺ sagte:

„Fürchtet Allah und seid gerecht zu euren Kindern.“

Dies wird in Sahih al-Bukhari 2587 im Hadith von An-Nu’man ibn Bashir رضي الله عنه überliefert. (Sunnah)

Gerechtigkeit bedeutet nicht immer, dass in jeder praktischen Angelegenheit alle Kinder völlig gleich behandelt werden, denn Kinder können unterschiedliche Bedürfnisse haben. Doch das Herz der Eltern und ihr Verhalten müssen gerecht sein. Söhne und Töchter müssen gleichermaßen religiöse Bildung, emotionale Fürsorge, moralische Erziehung und eine gerechte Versorgung erhalten.

Religiöse Erziehung als elterliche Pflicht

Religiöse Erziehung ist nicht optional. Sie ist kein schmückendes Beiwerk fürs Wochenende. Sie ist auch nichts, das vollständig an einen Imam, eine islamische Schule oder einen Online-Lehrer ausgelagert werden kann.

Ein Kind muss Tawhid, Salah, Wudu, Koran, Du’a, die Liebe zum Propheten ﷺ, gutes Benehmen, halal und haram, Schamhaftigkeit, Wahrhaftigkeit und Verantwortlichkeit vor Allah lernen.

Diese Erziehung sollte warmherzig, weise, beständig und dem Alter angemessen sein. Härte kann dazu führen, dass Religion wie Strafe wirkt. Vernachlässigung kann dazu führen, dass Religion belanglos erscheint. Der prophetische Weg ist Barmherzigkeit mit Festigkeit, Liebe mit Klarheit und Lehren mit Geduld.

Weltliche Bildung, ohne das Jenseits zu vernachlässigen

Der Islam lehnt nützliche weltliche Bildung nicht ab. Muslime brauchen Ärzte, Ingenieure, Lehrer, Bauleute, Schriftsteller, Unternehmer und qualifizierte Fachkräfte. Exzellenz ist lobenswert, wenn sie mit halal Absichten und innerhalb halal Grenzen angestrebt wird.

Doch weltliche Bildung darf die religiöse Bildung nicht verschlingen.

Ein Kind, das in der Schule glänzt, aber nicht richtig beten kann, ist um etwas Wesentliches gebracht worden. Ein Kind, das anspruchsvolle akademische Sprache beherrscht, aber die Grundlagen des Tawhid nicht kennt, wurde vernachlässigt. Ein Kind, das sich auf Prüfungen vorbereitet, aber nie auf das Grab vorbereitet wird, hat ein gefährliches Ungleichgewicht vermittelt bekommen.

Das Jenseits ist länger als dieses Leben. Das Grab ist gewisser als der Abschluss. Das Paradies ist größer als jede Karriere.

Der Vater als Hirte

Ein muslimischer Vater ist nicht bloß jemand, der Geld bereitstellt. Er ist ein Hirte. Seine Führung sollte barmherzig, präsent, schützend und verantwortungsvoll sein.

Er sollte die Freunde seiner Kinder kennen, ihre Sorgen, Gewohnheiten, Stärken und Schwächen. Er sollte ihnen helfen, die Salah zu lieben, die Moschee zu besuchen, ihre Mutter zu respektieren, wahrhaftig zu sprechen und haram zu meiden.

Ein Vater, der im Herzen seiner Kinder abwesend ist, kann seinen Einfluss auf sie verlieren. Dann werden Fremde, Bildschirme und Gleichaltrige zu ihren Wegweisern.

Vaterschaft ist nicht allein dadurch erfüllt, dass man Rechnungen bezahlt.

Die Mutter als Hüterin und Erzieherin

Die Mutter hat eine gewaltige Rolle bei der Formung des Herzens des Kindes. Ihre Zärtlichkeit, ihre Anbetung, ihre Geduld, ihre Worte, ihre Korrektur und ihre Du’a hinterlassen tiefe Spuren. Viele rechtschaffene Menschen wurden von rechtschaffenen Müttern geprägt, deren Opfer der Öffentlichkeit verborgen blieben, Allah jedoch bekannt waren.

Gleichzeitig legt der Islam nicht die ganze Last allein auf die Mutter. Der Hadith vom Hirtesein erwähnt die Verantwortung sowohl von Männern als auch von Frauen in dem ihnen anvertrauten Bereich. (Sunnah)

Die Erziehung von Kindern ist eine gemeinsame Aufgabe. Vater und Mutter müssen in birr und taqwa zusammenwirken.

Disziplin mit Barmherzigkeit

Kinder brauchen Disziplin, doch islamische Disziplin ist keine Grausamkeit. Sie ist weder Demütigung noch unbeherrschte Wut, Beleidigung oder Härte. Disziplin bedeutet, Selbstbeherrschung, Adab, Verantwortungsbewusstsein und das Bewusstsein für Allah zu lehren.

Eltern sollten zwei Extreme vermeiden: harte Autorität und nachlässige Nachgiebigkeit. Härte kann Angst, Heuchelei oder Verbitterung hervorbringen. Nachgiebigkeit kann Anspruchsdenken und geistliche Achtlosigkeit hervorbringen.

Der ausgewogene Weg ist entschlossene Barmherzigkeit. Klare Grenzen. Liebevolle Korrektur. Beständige Erwartungen. Gutes Vorbild. Fortwährende Du’a.

Ein Kind sollte wissen, dass Regeln bestehen, weil Allah wichtig ist, die Seele wichtig ist und der Charakter wichtig ist.

Kinder in einer moralisch zügellosen Gesellschaft erziehen

Muslimische Kinder in einer moralisch zügellosen Gesellschaft zu erziehen, erfordert Wachsamkeit. Viele Gesellschaften normalisieren, was der Islam verbietet, und verspotten, was der Islam ehrt. Schamhaftigkeit kann als rückständig gelten. Gehorsam gegenüber Allah kann als Einschränkung dargestellt werden. Unterhaltung kann Schamlosigkeit verschönern. Konsumdenken kann Kinder lehren, Begierden ohne Zurückhaltung nachzujagen.

Passive Elternschaft ist in einem solchen Umfeld gefährlich.

Eltern müssen in ihren Kindern islamisches Selbstbewusstsein aufbauen. Kinder sollten sich nicht minderwertig fühlen, weil sie Muslime sind. Sie sollten ihrem Alter entsprechend verstehen, warum der Islam lehrt, was er lehrt. Sie brauchen Liebe, Gespräche, muslimische Gemeinschaft, eine Bindung an die Moschee und ein Zuhause, in dem der Islam auf schöne Weise gelebt wird.

Eine zügellose Gesellschaft mag laut sein, doch ein aufrichtig muslimisches Zuhause kann dennoch leuchtend sein.

Die Frage, auf die sich alle Eltern vorbereiten müssen

Jede Mutter und jeder Vater sollte sich vorstellen, vor Allah zu stehen und über die ihnen anvertrauten Kinder befragt zu werden.

Was habt ihr sie gelehrt?
Was habt ihr in ihre Herzen hineingelassen?
Habt ihr sie vor offenkundiger Verderbnis geschützt?
Habt ihr sie mit Halal ernährt?
Wart ihr ihnen im Salah ein Vorbild?
Habt ihr ihnen den Islam lieb gemacht?
Habt ihr sie gerecht behandelt?
Habt ihr Du'a für sie gemacht?
Habt ihr ihrer Dschanna den Vorrang gegeben oder nur ihrem weltlichen Erfolg?

Diese Fragen sollten das Herz schon jetzt aufrütteln, bevor die endgültige Befragung kommt.

Rechtschaffene Kinder als fortwährende Belohnung

Ein rechtschaffenes Kind ist eines der schönsten Vermächtnisse, die ein Gläubiger hinterlassen kann. Reichtum kann verschwinden. Gebäude können zerfallen. Ansehen kann verblassen. Doch ein rechtschaffenes Kind, das für seine Eltern Bittgebete spricht, ist ein Schatz.

Der Prophet ﷺ lehrte, dass ein rechtschaffenes Kind, das für seine Eltern betet, zu den Taten gehört, deren Nutzen nach dem Tod fortbesteht. Dies wird in Sahih Muslim 1631 berichtet. (Abuamina Elias)

Darum muss Erziehung bewusst und zielgerichtet sein. Muslimische Eltern ziehen nicht bloß einen künftigen Angestellten, Studenten, Ehepartner oder Staatsbürger groß. Muslimische Eltern erziehen einen Diener Allahs.

Fazit: Erziehung um Allahs willen

Kinder zu haben ist im Islam ein tiefgreifender Segen und eine gewaltige Verantwortung. Sie beginnt vor der Geburt, ja sogar vor der Ehe, durch die Wahl eines rechtschaffenen Ehepartners und die Gründung eines Hauses auf der Grundlage von Taqwa. Sie setzt sich fort durch erlaubte Intimität, das Gedenken Allahs, Schwangerschaft, Geburt, Tahneek, Namensgebung, Aqiqah, Bildung, Disziplin, Umfeld, Gerechtigkeit und lebenslange Führung.

Kinder werden auf der Fitrah geboren. Danach prägen Eltern und Umfeld sie. Das sollte jede Mutter und jeden Vater demütig machen.

Muslimische Eltern müssen nicht nur für Schule, Beruf, Ehe und finanzielle Stabilität planen, sondern auch für die Stellung ihres Kindes vor Allah. Der größte Erfolg besteht nicht darin, dass ein Kind von den Menschen bewundert wird, sondern darin, dass es Allah lieb wird.

Möge Allah muslimischen Eltern ein tiefes Verständnis Seiner Religion gewähren. Möge Er sie mit rechtschaffenen Ehepartnern, rechtschaffenen Häusern, rechtschaffenen Kindern und rechtschaffenen Nachkommen segnen. Möge Er unsere Familien vor Schaitan, schädlichen Umfeldern und Achtlosigkeit schützen. Möge Er unsere Kinder zur Freude unserer Augen machen, zu Trägern des Tauhid, zu Befolgern der Sunnah und zu Menschen der Dschanna.

SubhaanakAllaahumma wa bihamdik, ash-hadu an laa ilaaha illa anta, astaghfiruka wa atoobu ilayk.


Quellenangaben

  1. Qur’an 66:6 — Befehl, sich selbst und die Familie vor dem Feuer zu schützen. (Quran.com)

  2. Qur’an 11:113 — Warnung davor, sich den Übeltätern zuzuneigen. (Quranic Arabic Corpus)

  3. Sahih al-Bukhari 6388 — Du'a vor ehelicher Intimität. (Sunnah)

  4. Sahih al-Bukhari 1358 — jedes Kind wird auf der Fitrah geboren. (Sunnah)

  5. Sahih Muslim 2146b — Tahneek und Namensgebung für das Neugeborene. (Sunnah)

  6. Sahih al-Bukhari 5472 — Aqiqah für das Neugeborene. (Sunnah)

  7. Sunan Abi Dawud 2838 — Aqiqah am siebten Tag, Rasieren des Kopfes und Namensgebung. (Sunnah)

  8. Jami’ at-Tirmidhi 1513 — zwei Schafe für einen Jungen und ein Schaf für ein Mädchen. (Sunnah)

  9. Sahih al-Bukhari 2587 — Gerechtigkeit zwischen Kindern. (Sunnah)

  10. Sahih al-Bukhari 7138 / Sahih Muslim 1829 — jeder Mensch ist ein Hirte und verantwortlich für diejenigen, die seiner Fürsorge unterstehen. (Sunnah)

  11. Sahih Muslim 1631 — rechtschaffenes Kind, das nach dem Tod für die Eltern Bittgebete spricht. (Abuamina Elias)

  12. Originalquelle: Ibraheem Abubakr Amosa, „Die Erziehung muslimischer Kinder … in einer zügellosen Gesellschaft.“ (academia.edu)

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